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Objektive nach Zweck

Portrait-Objektive

Das passende Portrait-Objektiv für den Einstieg ist eine lichtstarke Festbrennweite zwischen 50 mm und 85 mm: an APS-C das Sony SEL50F18F oder das Canon RF 50mm F1.8 STM, an Vollformat das Sigma 85mm F1.4 DG DN Art. Die offene Blende trennt die Person vom Hintergrund, die Brennweite hält den Abstand groß genug, damit das Gesicht natürlich proportioniert bleibt. Ein Zoom aus dem Kit kann beides nicht: Es ist bei F5.6 zu lichtschwach für weiches Bokeh und zwingt bei 50 mm zu nah an das Motiv heran.

Portrait-Objektiv: was es von anderen Objektiven unterscheidet

Ein Portraitobjektiv ist keine eigene Bauart, sondern eine Festbrennweite, deren Brennweite und Blende zur Portraitfotografie passen. Drei Dinge zählen. Die Brennweite bestimmt, wie weit die Kamera von der Person entfernt steht, um Kopf und Schultern zu füllen. Die Blende bestimmt, wie stark der Hintergrund in Unschärfe verschwindet. Und der Autofokus muss das Auge treffen, sonst nützt die beste Schärfe nichts.

Kurze Brennweiten zwingen nah heran, und Nähe streckt die Nase und verkleinert die Ohren. Ab etwa 50 mm an APS-C und 85 mm an Vollformat liegt der Abstand bei rund zwei Metern, und das Gesicht behält seine Proportionen. Deshalb tauchen genau diese beiden Werte in fast jeder Empfehlung auf. Wer Portraits mit Umgebung fotografieren will, etwa Menschen an ihrem Arbeitsplatz, greift bewusst zu 35 mm und nimmt die Nähe in Kauf.

Die Blende ist das zweite Merkmal. Bei F1.8 oder F1.4 wird der Schärfebereich so schmal, dass bei einem Kopfportrait die Augen scharf sind und die Ohren bereits weich werden. Das Bokeh, also die Zeichnung der unscharfen Bereiche, hängt vom optischen Design ab: Runde Blendenlamellen ergeben runde Lichtpunkte, wenige Lamellen eckige. Der Beitrag zur Bildgestaltung zeigt, wie Freistellung und Bildaufbau zusammenspielen.

Kriterien: Brennweite, Blende, Autofokus, Sensorformat

Das Sensorformat verschiebt alles. Ein 50-mm-Objektiv liefert an einer APS-C-Kamera den Ausschnitt, den ein 75-mm-Objektiv an Vollformat zeigt, Sony nennt genau diesen Wert für das SEL50F18F. Ein 85 mm wird an APS-C zu einem Tele um 130 mm und braucht mehr Abstand, als ein Wohnzimmer hergibt. Wer die Kamera kennt, kennt damit auch die richtige Brennweite: APS-C nimmt 50 mm, Vollformat 85 mm. Die Grundlagen dazu erklärt der Beitrag zu den Sensorformaten.

Beim Autofokus ist die Motorart entscheidend, nicht der Hersteller. Schrittmotoren (Canon STM, Nikon) und Linearmotoren (Sigma HLA, Sony) fokussieren leise und gleichmäßig, was für Video mitzählt. Alle hier genannten Modelle arbeiten mit der Augenerkennung der jeweiligen Gehäuse zusammen, sodass der Fokus auf dem Auge liegt, auch wenn sich die Person bewegt. Bei Blende F1.4 ist das keine Bequemlichkeit, sondern Voraussetzung: Der Schärfebereich ist zu schmal, um ihn von Hand zuverlässig zu treffen.

Ein Bildstabilisator ist für Portraits zweitrangig. Menschen stehen still, das Licht reicht bei offener Blende, und die Verschlusszeit bleibt kurz genug. Wichtiger ist die Abdichtung gegen Staub und Feuchtigkeit, wenn draußen fotografiert wird, und das Gewicht, wenn das Objektiv den ganzen Tag an der Kamera bleibt.

Empfehlungen im Überblick

EmpfehlungBrennweiteBlendeFür wen
Sony SEL50F18F50 mm (FE, entspricht 75 mm an APS-C)F1.8Portraits an Sony APS-C und Vollformat
Canon RF 50mm F1.8 STM50 mm (RF)F1.8Portraits an allen EOS-R-Gehäusen
Nikon NIKKOR Z 50mm f/1.8 S50 mm (Z)F1.8S-Linie mit Abdichtung an Nikon Z
Sigma 50mm F1.4 DG DN Art50 mm (FE)F1.4Available Light und starke Freistellung an Vollformat
Sigma 85mm F1.4 DG DN Art85 mm (FE)F1.4Klassische Portrait-Brennweite an Sony-Vollformat
Panasonic LUMIX S 85mm F1.885 mm (L-Mount)F1.8Portraits an Lumix-S-Gehäusen
Sony SEL35F18 OSS35 mm (E, APS-C)F1.8Portraits mit Umgebung, Interviews

50 mm an APS-C: der Einstieg in die Portraitfotografie

Für Sony-Gehäuse wie die Sony ZV-E10 oder die Alpha 6700 ist das Sony SEL50F18F das Portraitobjektiv, mit dem die meisten anfangen. Es ist für Vollformat gerechnet, wirkt an APS-C laut Hersteller wie 75 mm und hat ein asphärisches Element sowie ein Metallgehäuse. Die kleinste Blende liegt bei F22, ein optischer Stabilisator fehlt. Für Sony-E-Gehäuse fasst die Bestenliste der Objektive für Portraitfotografie mit Sony E-Mount weitere Optionen zusammen.

An Canon EOS R50, R100, R10 und R7 übernimmt das Canon RF 50mm F1.8 STM dieselbe Rolle. Canon nennt für den Schrittmotor eine stufenlose, leise Fokussierung bei Servo-AF, und mit laut Hersteller 160 g bleibt es unauffällig. An APS-C-Gehäusen des EOS-R-Systems entspricht der Ausschnitt etwa 80 mm an Vollformat, was für Kopfportraits gut passt. Für Nikon Z 50, Z fc und Z 30 leistet das 40mm f/2 Ähnliches mit etwas weiterem Ausschnitt.

Als Ergänzung für Portraits mit Umgebung dient das Sony SEL35F18 OSS: 35 mm an APS-C entsprechen rund 52 mm, der Bildstabilisator hilft bei Interviews und Video aus der Hand. Für ein Halbportrait am Fenster ist es das flexiblere Glas, für ein enges Kopfportrait das 50 mm.

85 mm an Vollformat: die klassische Portrait-Brennweite

Wer eine Sony Alpha 7 III, Alpha 7 IV oder Alpha 7C II besitzt, landet beim Sigma 85mm F1.4 DG DN Art. Sigma nennt 15 Linsen in 11 Gruppen, darunter fünf SLD-Linsen und eine asphärische, und positioniert es für Portrait, Reise und Straßenfotografie. Bei F1.4 bleibt vom Hintergrund nur noch Farbe und Form, die Person löst sich vollständig ab. Es ist laut Hersteller APS-C-kompatibel, wird dort aber zu einem Tele, das viel Abstand braucht.

Am L-Mount, also an der Panasonic Lumix S9, übernimmt das Panasonic LUMIX S 85mm F1.8 diese Aufgabe. Panasonic gibt 355 g, eine wetterfeste Bauweise und einen schnellen, leisen Autofokus mit reduziertem Focus Breathing an, was das Objektiv auch für Video interessant macht. Die Blende F1.8 statt F1.4 kostet eine Blendenstufe, hält das Objektiv dafür leicht.

50 mm an Vollformat: Normalbrennweite für Portrait und alles andere

Ein 50mm Objektiv an Vollformat ist die vielseitigere Wahl, wenn Portraits nur ein Teil der Fotografie sind. Das Sigma 50mm F1.4 DG DN Art bringt den HLA-Linearmotor, ein staub- und spritzwassergeschütztes Gehäuse und eine Blendenstufe mehr Licht als die F1.8-Klasse. Für Ganzkörper- und Halbportraits reicht der Abstand, für enge Kopfportraits muss man näher heran als mit 85 mm.

Am Nikon Z 6II und Z 8 ist das Nikon NIKKOR Z 50mm f/1.8 S das Objektiv aus der gehobenen S-Linie: zwei ED-Glas-Linsen, zwei asphärische Linsen, Nanokristallvergütung, Schrittmotor und Abdichtung gegen Staub und Feuchtigkeit. Es ist größer als das günstige 40mm f/2, dafür mit dem optischen Anspruch, den die Profi-Gehäuse voraussetzen. Der Kaufberater zu Nikon Z Objektiven ordnet beide Modelle ein.

Portrait-Objektiv nach Bajonett: Sony, Canon, Nikon, L-Mount

Die Wahl hängt am Anschluss. Sony E hat mit Sony, Sigma und Tamron die größte Auswahl an Portraitobjektiven, an APS-C wie an Vollformat. Canon RF bietet mit dem RF 50mm F1.8 STM einen günstigen Einstieg, Fremdhersteller sind am RF-Bajonett seltener. Nikon Z hat mit der S-Linie hochwertige Festbrennweiten und mit dem 40mm f/2 einen günstigen Einstieg. Am L-Mount teilen sich Panasonic, Leica und Sigma die Objektive, was die Auswahl größer macht, als das Bajonett vermuten lässt.

Fotografen, die noch keine Kamera haben, sollten die Entscheidung über das Bajonett vor dem Portrait-Objektiv treffen. Der Kaufberater Spiegellose Kamera für Einsteiger hilft dabei, der Beitrag zum Licht setzen erklärt, wie aus der offenen Blende und einem Fenster ein Portrait mit Charakter wird.

Was du nicht brauchst

Ein Portraitobjektiv mit F1.2 aus der G-Master- oder L-Klasse ist für den Einstieg überdimensioniert. Der Unterschied zu F1.8 ist im Bokeh sichtbar, im Alltag aber gering, während Gewicht und Größe deutlich zunehmen. Ebenso wenig braucht es ein 135 mm als erstes Portraitobjektiv: Der Abstand zur Person wird so groß, dass die Kommunikation beim Shooting leidet und die Aufnahmen in Innenräumen unmöglich werden.

Auch ein Telezoom mit F2.8 ersetzt für Portraits keine Festbrennweite. Es ist schwerer, teurer und bei gleicher Brennweite eine bis zwei Blendenstufen dunkler. Und ein Weichzeichnerfilter oder ein spezielles Portrait-Zubehör bringt weniger als ein Reflektor oder ein Fenster mit Nordlicht.

Kauf und Verfügbarkeit

Die Preise der genannten Portrait-Objektive stehen tagesaktuell auf den Produktseiten. Sigma bietet seine Art-Objektive für Sony E und L-Mount an, Canon und Nikon fertigen ihre 50-mm-Modelle jeweils nur für das eigene Bajonett. Beim Kauf lohnt der Blick auf die Bajonettbezeichnung: FE und DG DN stehen für Vollformat, E und DC DN für APS-C.

Nächster Schritt

Wer eine APS-C-Kamera besitzt, nimmt ein 50mm F1.8 des eigenen Systems und fotografiert damit die ersten Portraits. Wer Vollformat hat, greift zu 85 mm. Wer noch zwischen 35 und 50 mm schwankt, findet im Kaufberater Festbrennweite oder Zoom die Entscheidungshilfe, und die Übersicht der Objektive für Sony E-Mount zeigt, was sonst noch ans Bajonett passt.

Häufige Fragen

Welche Brennweite ist für Portraits am besten?

An Vollformat gelten 85 mm als klassische Portrait-Brennweite, weil der Abstand zur Person groß genug bleibt und das Gesicht nicht verzerrt wird. An APS-C übernimmt ein 50-mm-Objektiv diese Rolle, da der Formatfaktor den Bildausschnitt auf etwa 75 mm verengt. 35 mm eignen sich für Portraits mit Umgebung.

Reicht ein 50mm F1.8 als Portrait-Objektiv?

Ja, für die meisten Zwecke. Die Blende F1.8 löst den Hintergrund deutlich auf, und die Objektive von Sony, Canon und Nikon in dieser Klasse sind klein und leicht. F1.4-Objektive wie das Sigma 50mm Art bringen eine zusätzliche Blendenstufe, sind dafür aber größer und schwerer.

Ist ein Portrait-Objektiv auch für Video geeignet?

Die hier genannten Festbrennweiten haben alle einen Autofokus, der für Video ausgelegt ist: Schrittmotoren bei Canon und Nikon, Linearmotoren bei Sigma und Sony. Für Interviews und Talking-Head-Aufnahmen ist ein 50-mm-Objektiv an APS-C allerdings oft zu eng, dort passt eher ein 35 mm.

Brauche ich für Portraits ein Objektiv mit Bildstabilisator?

In der Regel nicht. Portraits entstehen bei Verschlusszeiten, die aus der Hand ohne Stabilisator funktionieren, und die offene Blende lässt viel Licht auf den Sensor. Ein Stabilisator hilft bei Video und bei wenig Licht, ist für stehende Personen aber kein Kaufkriterium.

Aus dem Katalog

Die genannten Geräte

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